Filmabend: Revolution und Krieg in Spanien 1936 – 1939

In Zusammenarbeit mit der antifaschistischen videofilmreihe zeigen wir am kommenden Freitag den 24. Juli 2026 im Café Mano Negra, Alte Münze 12, Osnabrück ab 17 Uhr zwei Filme zur Revolution und zum Krieg in Spanien (1936-1939).

Ein Volk in Waffen – Un pueblo en armas Dokumentarfilm. Spanien. Sindicato de la industria del espectáculo, 1937; Bearbeitung: Medienwerkstatt Nürnberg, 1986. 47 Min., s/w.

Land and Freedom Spielfilm. England / Deutschland / Italien / Spanien 1995, 109 Min. Regie: Ken Loach.

Im Februar 1936 erreicht El Frente Popular, ein von den anarchistischen Gewerkschaften und Organisatio­nen toleriertes Bündnis aus linken und bürgerlich-demokratischen Kräften, bei den Wahlen in der seit 1931 bestehenden spanischen Republik die Mehrheit. Die Republik hat Reformen ermöglicht, jedoch keine andere Gesellschaftsform. Und auch die Konservati­ven, die Kirche, Royalisten und die faschistischen Organisationen mobilisieren gegen die Reformen der Republik, die ihnen zu weit gehen. Am 17. Juli 1936 putschen Teile des spanischen Militärs zunächst in der nordafrikanischen Kolonie Marokko, in der Folge auf dem spanischen Festland. Der Umsturz wird von monarchistischen Vereinigungen und faschistischen Parteien unterstützt. Er scheitert jedoch in vielen Orten und Provinzen am Widerstand von Anarchist*innen, Sozialist*innen, anderen Linken und Republikaner*­innen. Die Bevölkerung, die nicht bereit ist, die bis dahin erkämpften sozialen Reformen
widerstandslos aufzugeben, geht auf die Straße, baut Barrikaden und stürmt die Kasernen, um die Republik zu verteidigen und ihre Vorstellungen einer herrschaftsfreien Gesell­schaft in die Praxis umzusetzen. In den Bürgerkrieg mischen sich weitere Interventen ein, darunter Nazi-Deutschland und das faschistische Italien wie auch die portugiesische Salazar-Diktatur und internationalisieren den Bürgerkrieg. Der Kampf gegen den Putsch wird mit Kollektivierungen für die soziale Revolution verknüpft. Im April 1939 endet der Bürgerkrieg mit dem Sieg der Putschisten, es folgt eine bis 1975 andauernde Diktatur in Spanien. Bis heute werden die republikanischen Opfer des Bürgerkriegs und der folgenden Terrorherrschaft von konservativen und faschistischen Parteien verschwiegen und verleumdet. Die Erinnerung an die damaligen Ereignisse gilt einerseits dem antifaschistischen Widerstand gegen die rechten Putschisten. Sie bezieht sich auf die soziale Revolution, die sich zwar oft aus der Abwehr des Putsches entwickelte, aber auch gegen Kapital, Großgrundbesitz und Kirche wandte. Sie umfasste städtisch-industrielle Bereiche, den Dienstleistungssektor, die kulturelle Produktion und die Landwirtschaft. Getragen wurde sie von Anarchist*innen, Sozialist*innen und Gewerkschafter*innen sowie revolutionären Marxist*innen.

Häufig wird sie als „die letzte Revolution in Europa“ betrachtet. Gemeint sein könnte auch „die bislang letzte“. Die soziale Revolution in Spanien war eine weitreichende Manifestation anarchistischer Vorstellungen. Beide, Antifaschist*innen und Sozialrevolutionär*innen, haben für die Freiheit gekämpft, aber nicht dasselbe darunter verstanden. Dies führte zu zahlreichen Kämpfen innerhalb des Bündnisses, das auch deshalb zerbrach. An Spanien erinnern heißt also auch, an Fehler zu erinnern, an die Notwendigkeit von Dissens, der riskant werden kann, wie auch an uneingelöste Versprechen, an weiterhin offene Fragen und gegenwärtige menschenfeindliche Zustände.

Zu den Filmen

Ein Volk in Waffen – Un pueblo en armas

Die soziale Revolution im spanischen Bürgerkrieg steht meist im Schatten des Kampfes gegen den inter­nationalen Faschismus. Weniger bekannt ist ihre Pro­duktivität. Nachdem die vorwiegend in der anarchis­tisch­en Gewerkschaft CNT-FAI organisierten Arbeiter*­in­nen das Privateigentum an den Produktionsmitteln abschafften, wurden allein in Madrid und Barcelona zwischen Juli 1936 und Mai 1937 über 80 vorwiegend dokumentarische Filme hergestellt. Der blutige Mai 1937 beendete diese Phase, als die stalinistische Repression in den Straßen tobte und – neben vielen anderen Errungenschaften der sozialen Revolution – auch die Selbstverwaltung der Betriebe durch die Arbeiter*nnen wieder zurückgenommen wurde.

Die CNT setzte die Filmproduktion zwar bis zum Sieg der Franco-Diktatur im April 1939 fort, konnte diesen medialen Aufbruch jedoch nicht fortführen. Die bis dahin entstandenen Filmaufnahmen, die hier kompiliert sind, sind auch in vielen anderen Filmdokumentationen verwendet worden. Un pueblo en armas erschien zuerst 1937 in den USA unter dem Titel Fury over Spain. Kopien la­ger­ten über 30 Jahre in Paris und wurden 1971, als sich das Ende der Franco-Diktatur ab­zeichnete, in Italien im 16mm-Format kopiert.

Un pueblo en armas unterscheidet sich von vielen Filmproduktionen, wie etwa The Will of a People (USA 1939), indem hier weniger die Details des Krieges als die soziale Revolution im Vordergrund steht. Er ist damit auch eine dokumentarische Ergänzung zu Ken Loachs Spielfilm Land and Freedom.


Land and Freedom

Rückblickend wird die Geschichte des jungen englischen Kommunisten David erzählt, der sich 1936 dazu entschließt, nach Spanien zu reisen, um dort gegen die Faschisten zu kämpfen. Er lässt alles hinter sich und macht sich auf in den spanischen Bürgerkrieg. In Katalonien trifft er auf die marxistische Arbeiterpartei POUM. Indessen kommt es unter den linken Organisationen immer wieder zu Positions­kämpfen und Rivalitäten. Um seinen Idealismus wiederzufinden, kehrt David der Partei den Rücken zu und schließt sich der Internationalen Brigade an.

„Sogar die Spanier haben bis heute verdrängt, dass es diese letztlich gescheiterten Versuche der Kollektivierung gegeben hat. Deshalb ist es mir sehr wichtig, an die historischen Fakten zu erinnern.“ Ken Loach zu seinem Film Land and Freedom.

„Es gab Offiziere und Unteroffiziere, aber keine militärischen Ränge im normalen Sinn, keine Titel, keine Dienstabzeichen, kein Hacken zusammen­schlagen und Grüßen. Sie hatten versucht, in den Milizen eine Art einstweiliges Arbeitsmodell einer klassenlosen Gesellschaft zu schaffen. Natürlich gab es dort keine vollständige Gleichheit, aber es war die größte Annäherung daran, die ich je gesehen oder in Kriegszeiten für möglich gehalten hatte.“ George Orwell in seinem zeitgenössischen Bericht Mein Katalonien

Vor 90 Jahren – 19. Juli 1936: Osnabrück, der Bürgerkrieg und die Soziale Revolution in Spanien – Ein Rückblick

Der Widerstand gegen den deutschen Faschismus von Osnabrücker*innen in der Emigration ist bisher nur gering beachtet worden. Dies zeigt sich besonders an einzelnen Abschnitten dieses Kampfes. So spielt der Spanische Bürgerkrieg (1936–1939) und die untrennbar mit ihm verbundene Soziale Revolution dabei keine Rolle. Dagegen haben wir die Biografie des in Osnabrück geborenen kommunistischen Antifaschisten Heinrich Bogula (1903–1976), der unter anderem in den Internationalen Brigaden kämpfte, in ersten groben Zügen nachgezeichnet. Bei unseren Nachforschungen sind wir auf weitere Antifaschistinnen und Antifaschisten aufmerksam geworden, die sowohl außerhalb wie auch in Osnabrück widerständig aktiv und am Spanienkrieg beteiligt waren. Ihre bisher verstreuten Spuren stellen wir in Porträts vor, weitere lokale wie regionale Bezüge werden wir rekonstruieren.

Georg Schwegmann (1912– ?)

Ebenfalls im Spanienkrieg engagiert war Georg Schwegmann, der im nördlichen Osnabrücker Land bei Venne/Vorwalde geboren wird, wie verschiedene Dokumente belegen. Vor der Machtübergabe an die Nazis ist er in der Freie Arbeiter-Union-Deutschland, Anarcho-Syndikalisten (FAUD) in Aachen organisiert. Die FAUD ist ein gewerkschaftlicher Zusammenschluss, auf freiheitlich-sozialistischer Grundlage, der sich auch als sozio-kulturelle Bewegung versteht. Nach ihrem Selbstverständnis lehnt sie hierarchisch organisierte Parteien ab, sie zieht statt einer avantgardistischen Partei eine Vertretung durch gewählte Delegierte vor. Ihre Kampfmittel sind bevorzugt die ‚direkte Aktion‘, der Massenstreik und der politische Generalstreik, durch den sie die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen wie auch den Militarismus abschaffen wollen.

Schwegmann wird 1935 wegen „staatsfeindlicher Betätigung“ von der Gestapo inhaftiert. Nach seiner Entlassung aus der Haft lernt er an einer Handelsschule Kastilianisch, die spanische Sprache. Anfang 1937 flüchtet der 25jährige über Paris und Perpignan nach Barcelona. Dort findet er Kontakt zur mit über einer Million Mitgliedern größten spanischen Gewerkschaft, der anarchosyndikalistischen Confederación Nacional del Trabajo (CNT) und arbeitet in einer, nach der Zurückschlagung des Putsches, kollektivierten Lederfabrik. Als anarchistischer Antimilitarist lehnt er eine Beteiligung an den Militäroperationen gegen den franquistischen Militärputsch und den Eintritt in die Milizen ab. Politisch organisiert ist er in der Gruppe der Deutschen Anarchosyndikalisten im Ausland (DAS).

Stichwort: Deutsche Anarchosyndikalisten im Ausland (DAS)

Die DAS wurde bereits 1934 in Amsterdam als anarchistische Exilorganisation gegründet, aber erst im Bürgerkrieg in Spanien erlangte sie politisch Einfluss. Nach den bewaffneten Kämpfen zwischen stalinistischen Kommunisten gegen Linkskommunisten und Anarchosyndikalisten – den sogenannten Maitagen 1937 in Barcelona und Katalonien – fanden ihre Aktivitäten einen Monat später ein jähes Ende.

DAS-Mitglieder beteiligten sich direkt mit dem Beginn der Kämpfe gegen die Putschisten seit Mitte Juli 1936 am bewaffneten Aufstand gegen das Militär und seine klerikal-faschistischen Unterstützer*innen. Der Deutsche Club in der katalanischen Hauptstadt, der sich in der Calle Caspe-Lauria befand und unter Nazi-Kontrolle stand, wurde, wie die Militärkasernen, gestürmt und diente der DAS als Quartier und Versammlungsort. Dort konnten auch die Mitgliederkartei und zahlreiche Dokumente der NSDAP-Auslandsorganisation (NSDAP-AO), eine weltweit agierende Parteiorganisation der Nazi-Einflussnahme und Spionage, beschlagnahmt werden.

Kurze Zeit später wurde dem DAS vom Zentralkomitee der Antifaschistischen Milizen, dessen politische Entscheidungsgremien von der CNT-FAI besetzt waren, die Kontrolle über alle deutschsprachigen Ausländer*innen übertragen. Sie umfasste die Grenz-, Post-, Hafen- und Eisenbahnkontrolle zur Identifizierung von deutschen Nazi-Unterstützer*innen. Maßgeblich beteiligt war die DAS an dem partei- und organisationsübergreifenden Internationalen Komitee der antifaschistischen Emigranten (CIDEA), das Produktionskollektive, die auch Ausrüstungen der Milizen herstellte, ein Kollektiv-Restaurant und -Buchhandlung aufbaute, Kultur- und Filmvorführungen organisierte.

Gleichzeitig betreute die DAS die ca. 200 deutschsprachigen Freiwilligen in der internationalen Miliz der Columna Durruti und gab deren Informationsdienst, die Zeitschrift Die Soziale Revolution, heraus. Sie war für den wöchentlich erscheinenden deutschsprachigen Informationsdienst der CNT/FAI und für deutschsprachige Beiträge in einem Kurzwellensender verantwortlich, der europaweit empfangen werde konnte.

Im wiedereröffneten Asy-Verlag, der bis 1933 von der FAUD in Berlin betrieben worden war, wurden Broschüren und im Juni 1937 von einem DAS-Kollektiv in deutscher und spanischer Sprache das Schwarz-Rot-Buch. Dokumente über den Hitlerfaschismus publiziert, in dem die Einflussnahme der Nationalsozialisten in Barcelona rekonstruiert und erbeutete Dokumente dokumentiert wurden.

In dem Buch wurde eine Bild-Montage abgedruckt, die auch als Poster plakatiert wurde.

„Symbolisch wollten wir die faschistische Gefahr durch ein Bild verdeutlichen, welches wir in das Buch einarbeiteten. Vor uns lagen neueste Bilder von ermordeten Madrider Kindern, die durch deutsche Bombenflugzeuge viehisch umgebracht worden waren. Ich fand ein Bild mit einem lachenden und strahlenden Mädchen aus der Nestle-Schokoladen-Reklame. Diese beiden Bilder stellten wir auf einer französisch-spanischen Landkarte gegenüber. Dazwischen montierten wir Hitler mit befehlender Geste, der eine Staffel Bombenflugzeuge von Spanien nach Frankreich dirigiert. Über das Ganze schrieben wir: ‚Heute Spanien – morgen die ganze Welt!‘“

Paul Helberg (1905–1989), in der DAS organisiert, in einem Rückblick.


Der in Barcelona politisch einflussreichen DAS gehörten ca. 45 Mitglieder und weitere Unterstützer*innen an. Ihre Resonanz über die katalanische Hauptstadt hinaus blieb jedoch wegen zu geringer Beteiligung und eingeschränkter finanzieller Mittel, wie auch ihrem geringfügigen Einfluss auf politische Entscheidungen der CNT-FAI und interner Differenzen über die Strategie und die Zielsetzungen der Revolution, begrenzt. Zudem befand sie sich zunehmend im Visier der kommunistischen Repression, die sich nach den direkten Kämpfen im Mai 1937 zu spitzte. Fast alle DAS-Mitglieder werden in staatlichen wie auch kommunistischen Parteigefängnissen inhaftiert, einige bleiben bis Ende 1938 in Haft. Bereits zuvor stand die DAS in politischer Konkurrenz zur KPD wie auch zu spanischen kommunistischen Parteien, die eingeschränkt und unter Aufgabe ihrer Eigenständigkeit von der Sowjetunion unterstützt und von deren Geheimdiensten überwacht und bekämpft wurden.

„Was in Spanien an sozialen Neuerungen geschaffen wurde, kam von unten, wird von den wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiter getragen und geleitet. Dem Staat blieb nichts anderes übrig, als die geschaffenen Tatsachen zu sanktionieren.“

Die Gruppe DAS in ihrer Veröffentlichung Revolution und Gegenrevolution. Die Ereignisse des Mai 1937 in Katalonien, erschienen im Asy-Verlag, Barcelona Juni 1937.


Im Juni 1937 wird Schwegmann vom republikanischen Geheimdienst, nach den inner-republikanischen Kämpfen zwischen stalinistischen Kommunist*innen, die den Einfluss der anarchistischen und links-kommunistischen Organisationen bekämpften, festgenommen, wie eine Häftlingsliste des katalanischen Zivilgouverneurs vermerkt. Im August wird er nach Frankreich abgeschoben, später lebt er im Exil in Amsterdam. Nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf die Niederlande verhaften die Okkupanten ihn im Oktober 1940 in Amsterdam. Es folgt seine Deportation in ein Konzentrationslager. Durch die Intervention seines Bruders, einem Offizier in der deutschen Wehrmacht, kann er jedoch seine Entlassung erreichen. Im August 1941 wird er als Funker in eine Luftnachrichten-Einheit zum Kriegsdienst eingezogen. Er gerät in englische Kriegsgefangenschaft, aus der er Anfang September 1945 entlassen wird.


Nach der Befreiung lebt er in Osnabrück, er tritt in die SPD ein und ist bis zu seiner Abwahl 1950 Geschäftsführer der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Zudem gehört er dem Kreissonderhilfsausschuss Osnabrück-Stadt an, der über Hilfsanträge von politischen Gefangenen der Nazi-Herrschaft und deren Angehörige entscheidet. Dort begegnen sich Heinrich Bogula und Schwegmann, wie einem Ablehnungsbescheid des Ausschusses zu entnehmen ist, in dem Bogula die beantragte Zuweisung einer Wohnung und weitere Wiedergutmachungen versagt werden.

Quellen und Literatur

Niedersächsisches Landesarchiv – Abteilung Oldenburg

Niedersächsisches Landesarchiv – Abteilung Osnabrück

Abel, Werner, u.a.: „Sie werden nicht durchkommen“ Bilder & Materialien. Deutsche an der Seite der Spanischen Republik und der sozialen Revolution. 2. Bde. Lich: Edition AV, 2016.

Nelles, Dieter: „Deutsche AnarchosyndikalistInnen im Spanischen Bürgerkrieg“. In: Graswurzelrevolution, Nr. 510, Sommer 2026, S. 12–13.

Nelles, Dieter: „‚Die Fremdenlegion der Revolution‘ – Deutsche AnarchosyndikalistInnen und Freiwillige in anarchistischen Milizen im spanischen Bürgerkrieg“. In: Deutsche AntifaschistInnen in Barcelona (1933-1939). Die Gruppe „Deutsche Anarchosyndikalisten“ (DAS), Dieter Nelles u. a. (Hg.). Heidelberg: Graswurzelrevolution, 2013, S. 79–182. Ursprünglich erschienen bei Editorial Sintra, Barcelona 2010.